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CO2-Ausstoß durch Motorboote – Wie klimaschädlich ist der Bootsurlaub?

Pawel Maryanov CC BY 2.0

Das Thema Klimaschutz scheint beim privaten Bootsverkehr noch keine große Rolle zu spielen. Aber gibt es auch eine Rechtfertigung dafür, dass hier nicht derselbe Maßstab angewendet wird, wie im Straßenverkehr? Oder ruht man sich doch etwa schon zu lange darauf aus, noch nicht im Fokus der Öffentlichkeit zu stehen?

Kaum ein Bootseigner ist dazu bereit, die hohen Kosten zu stemmen, sein Boot auf eine alternative Antriebsart umzurüsten, geschweige denn sein geliebtes Motorboot gegen ein Segelboot zu tauschen. Und auch Chartergäste scheuen noch immer viel zu oft das Wagnis einer Charter-Segelyacht. Zumindest Maßnahmen zum Spritsparen scheinen nun aber nach und nach salonfähig zu werden.

Noch zu wenig Bewusstsein für Klimaschutz

Klimaschutz ist wie Müll trennen. Jeder sollte sich daran beteiligen. Und trotzdem finden wir immer wieder Gründe, es nicht zu tun. „Wozu soll ich mir die Mühe machen, den Müll zu trennen, wenn am Ende doch ein Großteil in der Verbrennungsanlage landet?“, „Solange in China die Kohlekraftwerke weiter qualmen kommt es ja wohl nicht auf meine Autofahrt zum Bäcker an!“ Ganz ähnlich ist das auch bei den Sportbootkapitänen…

Typische Argumente gegen ein ökologisches Umdenken beim Boot fahren:

  • Die Schifffahrt ist nur für 3% der CO2-Emission weltweit verantwortlich. Der Anteil, den privat genutzte Boote ausmachen, ist sogar so gering, dass diese in den Statistiken meist gar nicht auftauchen.“ OK, der private Bootsverkehr ist zwar kaum mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein, allerdings ein besonders schmutziger. Denn dass so wenig klimaschädliche Gase durch Sportboote emittiert werden, liegt nur daran, dass die wenigsten Menschen ein Boot besitzen.
  • Wenn ich einen Apfel kaufe, der nicht um die halbe Welt geschifft wurde, trage ich viel mehr zum Klimaschutz bei.“ Eine solch lange Reise für ein Stück Obst, welches auch in Deutschland wächst, klingt zwar zunächst haarsträubend, die globale Logistik ist aber erstaunlich effektiv. So kommt man bereits nach 20 Sekunden Motorboot fahren auf etwa denselben CO2-Ausstoß wie ihn der Transport eines, aus Neuseeland eingeschifften Apfels verursacht.[1]

Berechnung der Emission durch Sportboote

Wie klimaschädlich sind denn nun die Boote auf deutschen Gewässern genau? Wer hätte gedacht, dass es so schwer ist, zu dieser Frage einen halbwegs fundierten Wert zu ermitteln? Der Mangel an Informationen im Netz verdeutlicht ganz gut, wie viel Nachholbedarf es hier in Sachen Aufklärung gibt.

Die Problematik besteht darin, dass sich für Sportboote kein Durchschnittsverbrauch ermitteln lässt. Aus der Motorleistung ließe sich zwar annähernd der Verbrauch pro Stunde ermitteln, dieser würde jedoch nur für Höchstgeschwindigkeit gelten. Bei Booten mit Innenborder wäre deshalb eine Angabe zum (durchschnittlichen) Verbrauch bei Marschgeschwindigkeit sehr hilfreich. Zum einen für die Berechnung der Emissionen, zum anderen aber vermutlich auch als Entscheidungshilfe zum Bootskauf.

Um nun aber trotzdem ein paar Aussagen über die Klimaauswirkungen von Motorbooten zu machen, setzen wir beispielhaft den Verbrauch von 5 l pro Stunde ein. Ein mittelgroßes Boot in Verdrängerfahrt könnte bei 6,5 Knoten etwa diesen Verbrauch haben. Wer seinen eigenen Wert einsetzen möchte, tankt 2 mal infolge voll und teilt den Verbrauch zwischen den Tankvorgängen durch die Betriebsstunden.

Der Ausstoß klimaschädlicher Gase (in CO2-Äquivalenten) ist für Boote mit Dieselmotor 3,43 kg/l Treibstoff.[2]

Das oben genannte 5 l Boot hätte somit eine Emission von 17,1 kg/h. Wenn man diesen Wert auf einen Kilometer umrechnet erhält man bei 6,5 Knoten 1,42 kg/km.

Wer ist der größte Klimasünder?

Man kann die Emissionen verschiedener Verkehrsmittel gegenüberstellen (vgl. Strände Guide CO2-Rechner). Aber Vorsicht! Der Vergleich hinkt etwas. Denn Auto, Bus, Bahn und Flugzeug kann man ja mit etwas gutem Willen noch als alternative Verkehrsmittel betrachten. D.h. man kann sich jenes aussuchen, das am umweltfreundlichsten ist. Beim Bootfahren ist jedoch meist der Weg das Ziel. Aber würde man das private Sportboot als reines Beförderungsmittel betrachten, sähe die Ökobilanz katastrophal aus.

VerkehrsmittelPro-Kopf-und-km
Emission in kg
Sportboot0,947
Flugzeug0,211
Auto0,142
Bahn (Fernverkehr)0,041
Reisebus0,032

*Sportboot mit Dieselmotor und 5 l/h Verbrauch. Für Boot und PKW wurde eine Auslastung von 1,5 Personen angenommen. Wenn man beispielsweise als 4-köpfige Familie reist, würde sich die Bilanz für diese Verkehrsmittel deutlich verbessern (um ca. 2/3). Bei allen anderen bliebe sie fast gleich.

Lösungen

Bei der Suche nach Wegen, dem Schadstoffausstoß entgegenzuwirken, muss man bedenken, dass Boote, im Gegensatz zu PKWs, sehr langlebig sind. Fortschritte beim Antrieb neuer Modelle sind zwar wichtig (s.u.), die Auswirkungen kommen der Umwelt aber nur ganz allmählich zugute. Andere, kurzfristigere Maßnahmen wären Umrüstung, Vermeidung und Optimierung.

Umrüstung

Solarpanels, Hybrid- und Elektromotoren – alles längst erfunden. Doch ähnlich wie beim Auto scheitert die Umsetzung an den Kosten und der Nachfrage. Zugegeben: Große, sportliche Motoryachten werden wohl die letzten sein, bei denen alternative Antriebe zum Einsatz kommen. Zum einen, weil PS-starke Motoren nur mit sehr großen Akkus und entsprechend langen Ladezeiten angetrieben werden können, zum anderen aber ist in diesem Segment auch das Kleingeld für die Tankstelle meist nicht der Rede wert. Aber die Faustregel ist einfach: Besonders praktikabel ist ein Elektroantrieb, je kleiner und langsamer das Boot. Man beachte das Dilemma, das sich hier ergibt. Diejenigen, die bereits deutlich weniger Schadstoffe ausstoßen, werden auch weniger Notwendigkeit sehen, ihr Boot umzurüsten.

Und ein großer Vorteil ergibt sich noch für alle Schönwetterkapitäne. Wer ohnehin schlechtes Wetter scheut, sollte in jedem Fall über einen Elektromotor mit Photovoltaik-Modulen nachdenken. Von einer massentauglichen Umrüstung alter Motorboote kann leider noch keine Rede sein. Wer sich dafür interessiert, sollte sich aber unbedingt die Projekte der Solarboot Initiative Lübeck e.V. (SOBOOTIA) anschauen.

Vermeidung

Allen Chartergästen sei eines gesagt: Dass auf deutschen Binnengewässern überwiegend Motorboote mit Dieselantrieb unterwegs sind, sollte keine Entschuldigung dafür sein, selbst eines zu chartern. Vielmehr sind die meisten davon bereits Jahrzehnte lang auf dem Wasser und für die Eigner sind die Alternativen begrenzt. Wer aber einen Urlaub auf einer Charteryacht plant, hat ganz andere Möglichkeiten. Die eleganteste ist und bleibt das Segelboot. Mit Skipper geht das sogar führerscheinfrei.

Wer ohne Segelschein oder mit kleinem Budget in den Genuss eines CO2-neutralen Bootsurlaubs kommen möchte, hat außerdem die Möglichkeit, ein Elektroboot zu chartern. Es sei aber gesagt, dass das Angebot noch verschwindend gering ist.

Optimierung

Man kann damit nicht CO2-neutral fahren, aber weil Sprit sparen so einfach umsetzbar ist, soll es an dieser Stelle unbedingt noch einmal erwähnt sein. Die wichtigsten Maßnahmen sind:

  • Niemals die Rumpfgeschwindigkeit überschreiten (Verdrängerboote): v = 4,5 x l1/2 km/h
    l = Länge der Wasserlinie
  • Möglichst konstante Geschwindigkeit fahren
  • Mit wenig Ladung fahren (insbes. Wasser und Benzin)
  • Das Unterwasserschiff sauber halten

Fazit

Die Berechnung des ökologischen Fußabdrucks von Motorbootfahrten ist noch sehr vage. Insbesondere wegen der enormen Unterschiede im Spritverbrauch, angefangen beim 5 PS Außenborder bis hin zur Monaco-Superyacht, aber auch wegen unterschiedlicher Besatzung oder Kraftstoffart sollte jeder Skipper sich kurz Zeit nehmen, um seinen eigenen Wert zu ermitteln. Alle Anzeichen deuten aber darauf hin, dass das motorisierte Bootfahren ein vergleichsweise schmutziges Hobby ist.

Man sollte auch noch erwähnen, dass es in diesem Artikel lediglich um klimaschädliche Emissionen ging. Im Gegensatz zu allen anderen Verkehrsmitteln bewegen sich Boote jedoch in besonders schützenswerten Ökosystemen. Einige Treibhausgase, aber auch viele weitere Schadstoffe, die ein Dieselmotor produziert, richten hier noch zusätzliche Schäden an. Insbesondere tragen sie zur Eutrophierung der Gewässer bei (SOX, NOX, Rußpartikel).

Quellen:

  1. www.handelsblatt.com/technik/energie-umwelt/klima-orakel-ist-ein-apfel-aus-chile-oder-neuseeland-immer-klimaschaedlicher-als-ein-deutscher-apfel/3225396.html
  2. www.ipcc-nggip.iges.or.jp/public/gp/bgp/2_4_Water-borne_Navigation.pdf (Werte errechnet aus Tabelle 8)