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Rechtliche Möglichkeiten für Fluggäste bei Ausfall und Verspätungen

martin.mutch CC BY 2.0

Wer öfter in den Urlaub fliegt oder geschäftliche Flugreisen macht, kennt das Problem: Nicht selten muss stundenlang auf einen gebuchten Flug gewartet werden. Aufgrund von Streiks oder unvorhergesehenen Ereignissen kann ein Flug mitunter ganz entfallen. Ähnlich wie beim Bahnverkehr hat der Gast dabei ein Recht auf Entschädigung, welches durchzusetzen allerdings mitunter schwierig sein kann.

Rechte und Möglichkeiten für Reisende genau geregelt

Wie so vieles in Deutschland und der EU, so ist auch das Fliegen ein gut regulierter und juristisch durchdeklinierter Raum. Wenn man sich also selbst um seine Entschädigungszahlung kümmern möchte, kann man sich die Fluggastrechte-Verordnung der EU genauer durchlesen. Prinzipiell gelten die Entschädigungsregeln für alle Flüge, unabhängig vom Buchungspreis. Die Billigairline ist also genauso zur Zahlung verpflichtet wie die Airline, die gehobene Businessflüge anbietet. Die Ansprüche auf Entschädigungen bei Ausfall, Überbuchung oder Verspätung verjähren erst nach drei Jahren. Jedoch hat höhere Erfolgschancen, wer schon während der Wartezeit auf den Flieger richtig reagiert hat.

Sofort alles schriftlich festhalten, um Beweise zu sammeln

Verständlicherweise möchten die Flugunternehmen ihrerseits Geld sparen und geben nicht einfach so jedem Anspruch auf Entschädigungszahlung nach. Darum sollte man von einem Mitarbeiter der Fluggesellschaft eine schriftliche Begründung für die Verspätung einfordern und diese mit Namen und Unterschrift bestätigen lassen. Stehen Ort und Uhrzeit nicht mit darauf, fügt man diese am besten noch am Flughafen hinzu. Eine gute Idee ist auch ein Beweisfoto von der Anzeigetafel, auf der der betreffende Flug als verspätet oder ausgefallen gelistet ist. Wer während der Wartezeit Geld für Speisen, Getränke, Taxifahrten oder Hotelübernachtungen ausgibt, sollte hierfür die Rechnungen aufheben. Häufig sind diese Posten im Nachhinein erstattungsfähig. Damit die Fluggesellschaft später durch weitere Zeugen leicht überzeugt werden kann, notiert man sich an Ort und Stelle die Kontaktdaten der Mitreisenden.

Das steht Fluggästen bei Flug-Verspätungen zu

Das Gesetz unterscheidet nach der Länge der Verspätung und des Flugs.

  • Snacks und Getränke müssen ab 2 Stunden Verspätung gereicht werden.
  • Nach 3 Stunden Verspätung entsteht ein Entschädigungsanspruch, und zwar:
    • 250 Euro bei Flugstrecken bis 1.500 Kilometern,
    • 400 Euro bei EU-Flugstrecken von mehr als 1.500 Kilometern,
    • 400 Euro für einen Flug, der außerhalb eines Nicht-EU-Staates startet oder landet und dessen Entfernung zwischen 1.500 Kilometern und 3.500 Kilometern beträgt und
    • bis zu 600 Euro bei Flugstrecken über 3.500 Kilometern mit Start oder Ziel außerhalb der EU.

Fluggasthelferportale treiben Entschädigungen ein

Wer Zeit sparen möchte und bereit ist, einen Teil der Entschädigungszahlung abzugeben, kann den oft langwierigen Prozess der Erstattungs-Einforderung auf einen Dritten übertragen – auf ein sogenanntes Fluggasthelferportal. Bei Entschädigungen wegen Flugverspätung hilft refund.me und verlangt dafür 25% der Entschädigungszahlung plus Mehrwertsteuer. Konkurrenzportale verlangen Provisionen von ca 25 bis 40 Prozent. Hier sollte jeder im Einzelfall prüfen, ob es sinnvoll ist, die Rechtevertretung quasi outzusourcen. Da die Provision mit der Entschädigungssumme steigt, lohnt sich der Service vor allem bei Flugstrecken bis 1.500 km (Provision: ca 75 €, effektive Entschädigung: 175 €). Bei Fernreisen kann es sich hingegen lohnen, selbst aktiv zu werden. Das Dienstleistungsangebot wird jedenfalls von vielen Menschen angenommen, so dass seit Jahren schon diverse Unternehmen am Markt sind und noch immer neue Start-Ups hinzukommen. Verspätung, Flugausfall und Überbuchung werden schließlich auch in naher Zukunft nicht seltener werden.

Ausgleichszahlungen bei Flug-Ausfall

Bei einem gestrichenen, also kurzfristig ausgefallenen, Flug besteht Anspruch auf Erstattung des vollen Ticketpreises oder Übernahme der Kosten für eine anderweitige Beförderung. Wer letzteres wählt, hat zusätzlich Anspruch auf Verpflegung während der Wartezeit. Die Airline muss also kostenlose Mahlzeiten und Erfrischungen am Flughafen anbieten bis die alternative Beförderung stattfindet. Außerdem muss die Möglichkeit zu zwei Telefonaten bzw. zwei Faxen oder E-Mails gegeben sein. Weitere Erstattungszahlungen sind möglich, auch wenn Ticketpreis oder Alternativbeförderung bezahlt wurden. Diese schwanken zwischen 125 Euro und 600 Euro und hängen vom Zeitpunkt der Bekanntgabe der Annullierung, dem Start des Alternativflugs sowie der Länge der Flugstrecke ab. Grundsätzlich darf der Flug nicht mehr als 14 Tage vor Abflug oder wegen außergewöhnlicher Umstände annulliert wurden sein, wenn eine Erstattung gefordert wird. Nach neuerer Rechtsprechung gilt es außerdem als Annullierung, wenn ein Flug um mehrere Stunden vorverlegt wurde.