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Privatstrände für Kreuzfahrtschiffe

Kreuzfahrtschiff vor Privatstrand
chezshai CC BY-ND 2.0

Nicht nur Prominente kaufen sich eigene Inseln, um ungestört in der karibischen Sonne entspannen zu können. Kreuzfahrtschiffe steuern ebenfalls spezielle Strände an und lassen ihre Gäste dort eine Zeit lang Vergnügungen an Land nachgehen. Bereits Ende der 1970er Jahre erwarb erstmals eine amerikanische Reederei eine erste Privatinsel auf den Bahamas als Ausflugsziel für ihre Passagiere. Mittlerweile sind zahlreiche Inseln oder Inselareale im Privatbesitz von Reedereien.

2 Trauminseln mit all-inclusive Freizeitprogramm

Typische Privatinseln sind die Halbinsel Labadee im Norden Haitis und Coco Cay (ehemals Little Stirrup Cay) auf den Bahamas. Sie gehören der Royal Caribbean Cruises Ltd. Genauer gesagt wurde letztere für die Exklusivnutzung gekauft und erstere bis ins Jahr 2050 geleast – inklusive des dortigen Resorts. Ausschließlich Schiffe der Royal-Carribean-Gruppe dürfen vor den beiden Inseln ankern. Dazu zählen Royal Caribbean International, Celebrity Cruises und Azamara Cruises. Wer beispielsweise Gast auf der Celebrity Reflection von Celebrity Cruises ist und 2016 eine Fahrt in die westliche Karibik bucht, darf sich auf wunderbare Stunden zwischen türkisblauem Meer, karibischer Vegetation und feinem, weißem Sand freuen.

Bei beständig schönem Wetter warten auf Labadee Freizeitangebote wie eine Achterbahn, eine lange Wasserrutsche und Parasailing auf die Urlauber. Außerdem gibt es eine atemberaubende Seilbahn namens Dragons Breath Zipline , mit einer Strecke von 800 Metern über dem Wasser hält sie den Weltrekord.

Auf Coco Cay sind weitere klassische Privatstrand-Aktivitäten im Angebot. So kann man in den Korallenriffen vor der Küste schnorcheln, aber auch in entsprechenden Strandbereichen Jet-Ski oder Kajak fahren. Wie das Gold-Zertifikat für nachhaltigen Tourismus belegt, bemüht sich das Kreuzfahrtunternehmen und seine strategischen Mitarbeiter auf dieser Insel um Nachhaltigkeit. In diesem Rahmen können die Gäste unter anderem einen drei Meilen langen Naturerlebnis-Wanderweg entdecken.

Pro & Contra Privatstrände für Kreuzfahrtschiffe

Die Bewirtschaftung von Stränden ist natürlich immer ein großer Eingriff mit Vor- und Nachteilen für alle Beteiligten. Am Beispiel der italienischen Bagni haben wir hier im Blog schon einmnal darüber geschrieben. Doch was bedeutet es, wenn ganze Inseln durch Kreuzfahrtunternehmen verwaltet werden?

Pro

  • Umwelt wird geschützt. Aus ökologischer Sicht sollte der Strand oder die Insel von der Privatisierung profitieren. Auch wenn ein Strand voller touristischer Angebote erst mal kein Ort ist, an dem man, aus dem Sand schlüpfende Schildkrötenbabys erwarten würde; man darf nicht vergessen, dass sich hier auch ohne die Exklusivrechte der Kreuzfahrtlinie Tourismus entwickeln würde. D.h. Schiffe verschiedener Reedereien würden vor Anker gehen und obendrauf kämen noch Individual- und Pauschalreisende. Der Status als Privatinsel verhindert so ganz nebenbei also auch jegliche nicht dem Kreuzfahrttourismus dienende Bebauung der Insel. Es entstehen keine Hotels, Ferienhäuser, Industrie u.v.m.
    Der entscheidende Punkt ist aber offensichtlich das Eigeninteresse der Reederei an einer sauberen Insel. Ökonomen sprechen im Zusammenhang mit der freien Marktwirtschaft vom Problem negativer externer Effekte. Damit sind alle negativen Auswirkungen einer Industrie gegenüber der Allgemeinheit gemeint. Wenn z.B. ein Fischer mit Sprengstoff oder Cyanid fischt, kann er seinen Ertrag i.d.R. beträchtlich steigern. Die Folgen dieser Praxis hingegen trägt die Allgemeinheit. Für den einzelnen Fischer aber überwiegt meist der Gewinn. Ganz anders sieht es aber aus, wenn ein ganzes Ökosystem durch einen einzelnen Akteur bewirtschaftet wird. Für das Kreuzfahrtunternehmen wäre ein zerstörtes Korallenriff, Abfälle am Strand oder abgeholzte Wälder ganz offensichtlich geschäftsschädigend. Das ist zwar kein Garant für ein völlig intaktes Ökosystem, aber ein deutlicher Vorteil gegenüber dem Normalfall eines freien Gastgewerbes.
  • Sicherheit wird gewährleistet. Privatstrände der Kreuzfahrt-Reedereien sind in vielerlei Hinsicht sicherer als öffentlich zugängliche Traumstrände. Man kann davon ausgehen, dass es sich um eine politisch stabile Region handelt, dass Kriminalität nahezu ausgeschlossen ist und dass die Reiseveranstalter alle Teilnehmer vor etwaigen Gefahren wie Strömungen, giftigen Tieren oder Unwettern warnen. Außerdem ist die Art der Anreise ausgesprochen sicher und alle Lebensmittel können bedenkenlos gegessen werden.
  • Touriwünsche werden erfüllt. Unter Kreuzfahrtunternehmen herrscht ein hoher Konkurrenzdruck. Aus diesem Grund darf man sich sicher sein, dass der Kunde während der gesamten Reise König ist. Das touristische Angebot reicht von einfachen Sonnenliegen über kulinarische Köstlichkeiten aus aller Welt bis hin zu Exkursionen oder Sportangeboten. Während Individualreisende an so manchem einsamen Traumstrand völlig auf sich gestellt sind (kein Schatten, kein Wassser, keine Toilette, kein WLAN 🙂 ), braucht man sich in Obhut der Kreuzfahrtlinie um nichts Sorgen zu machen. Sogar ein Arzt ist rund um die Uhr verfügbar.
  • Traumstrand ist garantiert. Ok, unter Traumstrand versteht jeder etwas anderes. Man kann sich aber sicher sein, dass die Reederei Ihre Privatinsel vor dem Kauf sorgsam auswählt. Kriterien wie feiner, weißer Sand, Abgeschiedenheit, lauwarmes Wasser und Kokospalmen sind dabei natürlich Grundvoraussetzung. Man kann sich also sicher sein, keine allzu bösen Überraschungen zu erleben.
  • Kommunikation funktioniert. An Traumstränden wird i.d.R. nicht deutsch gesprochen. Und auch mit englisch kommt man oft nicht weiter. Im arabischen Raum, sowie von Indien bis Thailand, muss man sich zudem noch auf fremdartige Schriftzeichen gefasst machen. Auf den eingangs vorgestellten Privatinseln braucht man maximal etwas Schulenglisch. Wer sich vor Buchung seiner Reise etwas informiert, findet natürlich auch Kreuzfahrtschiffe, auf denen das Personal ausschließlich deutsch spricht.

Kontra

  • Öffentlichkeit ausgeschlossen. Exklusivität bedeutet natürlich auch die Nicht-Zugänglichkeit für normale Strandbesucher. Jeder, der nicht gerne auf einem Kreuzfahrtschiff verreisen möchte oder aber dem das nötige Kleingeld hierfür fehlt, darf zurecht verärgert sein. Die ohnehin schon rahen Inselparadiese werden für die Öffentlichkeit jetzt leider noch unerreichbarer.
  • Einsamkeit ausgeschlossen. Wer sich für eine Kreuzfahrt mit Aufenthalt an einem Privatstrand einer Reederei entscheidet, darf kein Entdeckerfeeling á la Robinson Crusoe erwarten. Dafür sollte man eher einen privaten Guide und einen individuellen Trip buchen. Vielmehr wird das Kreuzfahrtschiff eine Privatinsel ansteuern, die infrastrukturell für das Reisen in Gruppen ausgebaut ist.
  • Kultur ausgeschlossen. Auch, wer nach Kulturtourismus und authentischem „Land und Leute-Flair“ sucht, bucht besser eine andere Reisevariante. Für das Kennenlernen historischer Besonderheiten oder gewachsener Strukturen eignen sich die Privatinseln eher nicht. Selbst wenn jede Insel eine gewisse eigene Note hat.
  • CO2 ausgestoßen. Der ökologische Aspekt solcher Reisen hat 2 Seiten. Während, wie bereits erwähnt, das lokale Ökosystem der Insel geschützt wird, leidet andererseits das globale Ökosystem darunter. Grund hierfür ist, dass mit der Praxis, Inseln für Kreuzfahrtschiffe zu reservieren, die eher Schadstoff-intensive Kreuzfahrtindustrie gefördert wird.