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Fit to Fly

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Der Begriff Fit-to-Fly wird häufig fehlinterpretiert und sorgt nicht selten für Verwirrung. Genau genommen geht es hierbei weder um die Flugtauglichkeit von Schwangeren, noch um die von Piloten oder normalen Passagieren mit Vorerkrankungen.

Definiert ist der Begriff Fit to Fly als Flugfähigkeit des Patienten mit medizinischer Begleitung.

Das Ziel einer solchen Untersuchung ist immer, herauszufinden, ob eine medizinische Begleitung bei einem Krankenrücktransport ausreicht oder ob ein eigener Ambulanzflug organisiert werden muss.

Der medizinische Begriff Fit-to-Fly

Was ist ein Krankenrücktransport?

So gut der Urlaub auch geplant ist, es kann zu unvorhergesehenen Situationen kommen. Bei einer plötzlich auftretenden Krankheit oder einem Unfall kann beim Rückflug eine medizinische Begleitung notwendig sein.

Um den medizinischen Zustand des Patienten sicher überwachen zu können, gibt es hierbei mehrere Möglichkeiten. Ob eine Flugbegleitung ausreicht oder ob ein separater Ambulanzflug die bessere Entscheidung ist, muss mittels der Fit-to-Fly-Überprüfung festgestellt werden.

Wer gibt die Fit-to-Fly-Auskunft?

Bevor der Patient aus dem Urlaub wieder nach Hause kann, muss sorgfältig geprüft werden, wie dies am besten vonstattengeht. In vielen Fällen kann eine spezielle Begleitung auf dem Rückflug erforderlich sein. Ist der Zustand des Patienten kritisch, ist es besser, ihn mit einem Ambulanzflug nach Hause zu bringen.

Für diese Entscheidung ist der Mediziner zuständig, der den Patienten vor Ort zuletzt behandelt hat – also das Krankenhaus oder der behandelnde Arzt, der sich vor Ort befindet. Sobald der Zustand des Patienten festgestellt wurde, wird ein Schreiben angefertigt, das den Transport des Patienten frei gibt. Mit diesem Dokument wird dem Patienten bestätigt, dass er „fit to fly“ ist.

Die Kostenübernahme beim Krankenrücktransport

Die Beurteilung, ob ein Krankenrücktransport erforderlich ist, liegt nicht in der Hand des Patienten oder seiner Angehörigen. Dennoch muss der Betroffene für die Kosten des notwendigen Ambulanzfluges aufkommen. Je nach Ort und Maschinentyp liegen diese Kosten bei mehreren zehntausenden oder sogar hunderttausenden Euro.

Wer vor Reisebeginn einen Auslands-Krankenschutz abschließt, muss sich um die Kosten des Rücktransports keine Gedanken machen. Die Versicherung kommt für den kompletten Betrag auf. Hierzu ist es jedoch notwendig, diese unverzüglich zu informieren. Hierfür gibt es in der Regel eine 24-Stunden-Notruf-Hotline. Wird das Vorhaben im Vorfeld nicht mit dem Versicherer abgesprochen, muss der Patient die Transportkosten in voller Höhe oder anteilig selbst tragen.

Reisekrankenversicherung – „Medizinisch sinnvoll und vertretbar“ oder „Medizinisch notwendig und ärztlich angeordnet“

Beim Krankenrücktransport kann es hinsichtlich der Absicherung über die Reisekrankenversicherung Unterschiede geben. Handelt es sich um einen Transport, der „medizinisch sinnvoll und vertretbar“ ist, bedeutet dies einen unverzüglichen Rücktransport nach Hause. Hierfür muss der Patient transportfähig sein. Die Entscheidung darüber treffen die Ärzte der Notrufzentrale der Reisekrankenversicherung.

„Medizinisch notwendig und ärztlich angeordnet“ heißt, dass der Patient nur dann nach Hause transportiert wird, wenn er vor Ort nicht ausreichend behandelt werden kann. Etwa dann, wenn eine Operation nicht durchführbar ist. Ob diese Gegebenheit vorliegt, entscheiden die behandelnden Ärzte vor Ort.

Bevor eine Auslandskrankenversicherung abgeschlossen wird, sollten Versicherungsnehmer unbedingt darauf achten, unter welchen Voraussetzungen die Kosten für den Krankenrücktransport übernommen werden.

Welche Arten von Krankenrücktransport gibt es?

Beim Krankenrücktransport werden zwei grundlegende Maßnahmen unterschieden: die medizinische Flugbegleitung und der Ambulanzflug. Ist nur eine medizinische Flugbegleitung erforderlich, erfolgt der Rücktransport über einen Linienflug. Allerdings wird der Patient auf diesem medizinisch begleitet. Anders sieht es beim Ambulanzflug aus. Hierbei handelt es sich um ein Flugzeug oder einen Hubschrauber, der komplett für den medizinischen Rücktransport von Patienten ausgestattet ist. Ein Rücktransport ist somit weltweit möglich.

Daneben gibt es auch noch Intensivtransporte. Der Transport im Ambulanzwagen kommt für Patienten infrage, in deren Fällen ein Krankenrücktransport über die Straße sinnvoller ist als auf dem Luftweg. Dank der guten Ausstattung der Ambulanzwagen sind auch längere Entfernungen für den Rücktransport nicht hinderlich.

Die Tauglichkeitsprüfung für Passagiere

Rechtsgrundlage

Der Tauglichkeitsprüfung für Passagiere liegt §12 Abs. 1 bis 3 LuftSiG (Luftsicherheitsgesetz) zugrunde. Demnach muss der Kapitän als verantwortlicher Luftfahrzeugführer dafür sorgen, dass Sicherheit und Ordnung des im Flug befindlichen Luftfahrzeugs gewährleistet werden können. Im Zuge dessen ist er dazu berechtigt, alle hierfür erforderlichen Maßnahmen zu treffen.

Die Regelungen, wann ein Passagier eine Tauglichkeitsprüfung absolvieren muss, können von Fluggesellschaft zu Fluggesellschaft variieren. Es empfiehlt sich deswegen, sich vor dem Flug bei der jeweiligen Airline zu erkunden. In den jeweils festgelegten Fällen muss vom behandelnden Arzt ein SAF/MEDIF-Formular  ausgefüllt und an den Medizinischen Dienst der Luftverkehrsgesellschaft weitergeleitet werden. Durch diese Beurteilung erhält der medizinische Dienst Einblicke darin, ob und unter welchen Voraussetzungen einem Flug zugestimmt werden kann.

Wann muss eine Tauglichkeitsprüfung für Passagiere durchgeführt werden?

Der Aufenthalt im Flugzeug kostet den menschlichen Körper einiges an Kraft. Er ist vor vollkommen neue Herausforderungen gestellt. Veränderte Druckbedingungen und Luftverhältnisse machen gesunden Passagieren nichts aus. Bei Reisenden, deren Gesundheitszustand bedenklicher ist, sieht dies anders aus. Nach einer erst kürzlich stattgefundenen Operation oder bei einer Lungenerkrankung ist es wichtig, vor einer Flugreise den Arzt zu konsultieren.

Bei einer Flugreise werden die Passagiere vor viele Herausforderungen gestellt. Neben den veränderten Druckbedingungen und Luftverhältnissen sind Immobilität und Dauer der Reise ebenso entscheidend wie die physiologischen Auswirkungen, welche diese auf den Körper von Erkrankten haben. Insbesondere bei Fernreisen müssen die Grunderkrankungen sowie die mit dem Flug verbundenen Veränderungen in die Beurteilung des Arztes einbezogen werden. Dieser kann zum Schutz des Patienten auch eine medizinische Flugbegleitung anordnen. Werden die richtigen medizinischen Vorsorgemaßnahmen getroffen, können auch kranke Passagiere Langstreckenflüge absolvieren.

In der Regel muss die Flugtauglichkeit des Passagiers in folgenden Fällen durch ein SAF/MEDIF-Formular überprüft werden:

  • bei einer akuten Erkrankung, nach dem Aufenthalt in einem Krankenhaus, nach einem Unfall oder einer Operation
  • bei Erkrankungen mit fortschreitend instabilem Verlauf
  • wenn ein liegender Transport erforderlich ist
  • sofern Sauerstoff oder andere medizinische Geräte an Bord benötigt werden
  • wenn die Reise aus medizinischen Gründen erfolgt, etwa für eine spezielle Behandlung
  • sofern der Passagier aus medizinischen Gründen Unterstützung durch eine Begleitperson benötigt

Der behandelnde Arzt kann auf dem SAF-/MEDIF-Formular ausfüllen, welche besonderen Vorkehrungen getroffen werden müssen, damit sein Patient sicher mitfliegen kann.

Generelles Flugverbot

Bei einigen Erkrankungen wird ein generelles Flugverbot für den Betroffenen ausgesprochen. Der Ansteckungsschutz für die Mitreisenden hat oberste Priorität. Unter Berücksichtigung des klinischen Verlaufs sowie der Inkubationszeit kann es sein, dass Menschen mit Infektionskrankheiten keine Flugerlaubnis erhalten.

Als fluguntauglich gelten akut psychotische Patienten. Für große Unsicherheit bei Ärzten sorgen auch Schwangere. Da eine Flugreise ab einem bestimmten Stadium der Schwangerschaft nicht mehr ungefährlich ist, sind Flüge nach der 36. Schwangerschaftswoche verboten. Handelt es sich um eine Mehrlingsschwangerschaft, gilt die Flugerlaubnis nur bis zum Ende der 32. Schwangerschaftswoche. Viele Fluggesellschaften empfehlen Schwangeren, zur Sicherheit ein ärztliches Zeugnis mit der Bescheinigung „fit to fly“ mitzuführen. Bei der Tauglichkeitsprüfung kann der Arzt zudem Empfehlungen für Vorsichtsmaßnahmen während des Fluges aussprechen, etwa zur Abmilderung des Thromboserisikos.

Richtlinien von Airlines beachten

Eine standardisierte Richtlinie für die Flugtauglichkeit von Passagieren gibt es nicht. Diese können je nach Land variieren. Einige Fluggesellschaften stellen auch eigene Fit-to-Fly-Regelungen auf. Deswegen sollte vor der Reisebuchung immer ein Blick in die Beförderungsbedingungen der Fluggesellschaft geworfen werden. Diese sind auf der jeweiligen Webseite einsehbar.

Somit entscheidet der Arzt nicht alleine darüber, ob ein Passagier „fit to fly“ ist. Von Erkrankungen betroffene Fluggäste müssen sich nach Beurteilung ihres Gesundheitszustandes an den medizinischen Dienst der jeweiligen Fluggesellschaft wenden. Einige Fluggesellschaften bieten auf ihrer Webseite das erforderliche MEDIF-Formular an. Über dieses kann der Arzt dem medizinischen Dienst alle für die Entscheidung der Flugtauglichkeit erforderlichen Informationen sowie notwendige Unterstützungsmaßnahmen mitteilen. Letztendlich entscheidet der medizinische Dienst der Fluggesellschaft durch die Auswertung des Formulars über die Flugtauglichkeit des Betroffenen. Sollte eine weitere Rücksprache mit dem Arzt notwendig sein, sucht der medizinische Dienst das Gespräch mit diesem.

Bei einer positiven Flugtauglichkeits-Bescheinigung wird der gegebenenfalls erforderliche Unterstützungsbedarf für den Flugreisenden automatisch vom medizinischen Dienst der Fluggesellschaft organisiert.

Medizinisches Tauglichkeitszeugnis für Piloten

Abgegrenzt werden muss auch die ärztliche Flugtauglichkeitsbescheinigung für Passagiere vom medizinischen Flugtauglichkeitszeugnis für Piloten. Gleichwohl handelt es sich bei beiden Bescheinigungen um Sicherheitsvorkehrungen, die zum Schutz der Flugreisenden getroffen werden. Um sicherzustellen, dass ein Pilot flugtauglich ist, muss er sich regelmäßig ärztlich untersuchen lassen. Wie lange die Gültigkeit eines Tauglichkeitszeugnisses ist, hängt von der Pilotenlizenz-Klasse ab. Mit steigendem Alter sinkt die Gültigkeitsdauer der Tauglichkeitszeugnisse.