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Die 20 nervigsten Dinge am Strand

Mann am Strand mit Kofferradio auf der Schulter
emilio labrador CC BY 2.0

Als deutscher Urlauber muss man auch mal so richtig meckern dürfen. Und kaum ein Ort bietet dafür soviel Gelegenheit wie der Strand. Hier, wo Spaß und Erholung aufeinander treffen, reißt der Geduldsfaden schneller als anderswo, während Sonne und Alkohol ihrerseits dazu beitragen, die Stimmung aufzuheizen.

Auf die Pelle rücken

Wer morgens gern früh an den Strand kommt, kennt es mit Sicherheit: nervige Handtuchnachbarn, die sich direkt neben einem breit machen. Morgens liegt man noch ganz einsam am schönsten Platz des menschenleeren Strandes, dann kommen nach und nach weitere Badegäste, die sich in  etwa gleich großen Abständen am Strand niederlassen, und spätestens gegen Mittag legt sich dann auch noch eine Großfamilie mit Sack und Pack direkt vor das eigene Handtuchlager; im schlimmsten Fall so dicht, dass dazwischen kein Durchgang mehr frei bleibt und das eigene Handtuch zum Fußabtreter wird. Leider sind einsame Strände in Europa inzwischen rar und jeder Strandbesuch beginnt erst einmal mit der Suche nach der besten Lücke. Aus Bequemlichkeit dem Nachbarn auf die Pelle zu rücken, ist aber nicht die feine Art. Im Zweifelsfall sollte man auf weniger frequentierte Strände ausweichen oder solche mit Liegestuhl-Verleih nutzen.

Modesünden

Wir könnten uns auch an einen Pool legen, wären wir nicht auf der Suche nach landschaftlicher Schönheit und Ästhetik. Da kann eine hautenge Speedo Badehose auf krebsroter Haut Haut schon mal Augenschmerzen verursachen. Neben den Engländern sind wir Deutschen übrigens am häufigsten von Geschmacksverirrung betroffen. Der modebewusste Italiener ist da weitaus sensibler und verdreht sicher auch mal die Augen beim Anblick der nordischen Besucher an seinem Heimatstrand. Um unseren schlechten Ruf in Sachen Strandmode etwas aufzubessern, hier 5 goldene Regeln:

  • Das Motto „Auffallen um jeden Preis“ gilt ausschließlich am Ballermann.
  • NoGos am Strand sind Mankini, Ballbag, hautenge Badehose beim Mann, Sandalen mit Socken, (halb)durchsichtige Badekleidung
  • Der Strandbesuch ist ein willkommener Anlass, sich modebewusst zu kleiden. Und neben Badehose und Bikini gibt es noch so viel mehr, was ein Strandoutfit komplett macht. Frauen dürfen sich beim Strandspaziergang gern mal im leichten Sommerkleid zeigen (Tipp: Sommerkleider bei Betty Barclay). Bei Männern sieht beispielsweise eine kurze Shorts in Kombination mit Tank-Top und Lederkette oder -armband sehr gut aus.
  • Neonfarben à la Rio de Janeiro sahen auf blasser Haut noch nie gut aus. Europäer halten sich besser an dezente Farben (beim Hipster ist babyblau oder orange ok).
  • Egal, wie durchtrainiert der Mann ist – Mit der roten Baywatch-Badeshorts kann man keine Frau mehr hinterm Ofen hervor locken!

Betrunkene

Betrunkene fallen am Strand besonders auf. Denn es ist helligter Tag und alle anderen sind nüchtern. Ob es nun die Lautstärke ist, der Neid auf den Spaß, den man selbst nicht hat oder Belästigungen durch dumme Sprüche – das Betrunkene ihren Mitmenschen auf die Nerven gehen ist unbestritten. Da hilft nur mit trinken. Aber Vorsicht: In vielen Ländern gibt es Alkoholverbote. Beispielsweise werden an der Playa de Palma auf Mallorca für exzessives Trinken hohe Geldstrafen fällig (Quelle). In Polen darf generell kein Alkohol in der Öffentlichkeit getrunken werden, ebenso in großen Teilen der USA.

Kinder

Sind Kinder wirklich im Ranking der 20 nervigsten Dinge am Strand vertreten? In kinderverrückten Ländern, wie beispielsweise Italien, sicher eine Unmöglichkeit. In einer anonymen Umfrage hierzulande kämen Kinder aber mit höchster Wahrscheinlichkeit auf einen der oberen Plätze. Und einige von ihnen geben sich ja auch beste Mühe: „Fang mich doch du Eierloch!“ / „Warum? …Warum? …Warum?“ / „Anastasia hat auch schon eine Flatrate“ / „Mama der ärgert!“

Hunde

Hunde sind ungestüm, kennen keine Verhaltensregeln, hinterlassen überall ihre Exkremente und manche sind sogar gefährlich. Klar, dass es da regelmäßig zu erhitzten Gemütern kommt. Denn mit der Ruhe und Erholung kann es ganz schnell vorbei sein, wenn sich ein Rudel wildgewordener Hunde gegenseitig über den Strand jagt. Auf der anderen Seite sind sie für viele auch eine enorme Bereicherung und ein Strandbesuch ist im Hundeleben das absolute Highlight. Es geht also, wie so oft, um gegenseitige Toleranz und Rücksichtnahme. Nebenbei bemerkt sind die Parallelen zwischen Hunden und Kindern hier fast überdeutlich: Beide fallen eigentlich immer nur allen allen zur Last, machen Krach, Dreck und respektieren kaum Regeln. Alle diese rationalen Argumente lassen sich aber schnell außer Kraft setzen, wenn man in zwei große, liebenswerte Augen schaut.

Strandverkäufer

„Wanna Sunglasses?“ …so wird man an vielen Stränden südlicher Breiten oft aus dem Halbschlaf gerissen. „No, thank you!“ …und vorbei ist’s mit der wohlverdienten Siesta am Strand. Aber wehe, man geht gar auf eine dieser Nachfragen ein. Dann wird man den Rest des Tages von zig weiteren Strandverkäufern angesprochen, als hätte man eine Fahne gehisst, auf der steht: „An diesem Handtuch erwarteter Umsatz +500%“.

Das dieses Geschäftsmodell in vielen ökonomisch schwachen Ländern so verbreitet ist, ist auch gar nicht verwunderlich. Denn mit dem Verkauf einiger Strandartikel pro Tag können viele Afrikaner ganze Familien ernähren. Man sollte es also eher als natürliche Konsequenz einer großen wirtschaftlichen Ungleichheit betrachten. So wird der afrikanische Familienvater, der jeden Tag 10 Kilometer und mehr mit schwerer Ladung und bei praller Sonne am Strand zurück legen muss, um seinen Kindern ein paar Mahlzeiten zu ermöglichen, kein Verständnis dafür haben, dass der Tourist, der mit dem Flugzeug um die halbe Welt reist, um sich stundenlang in die Sonne zu legen, seine Ruhe haben möchte.

Handtuch-Ausschüttler

Wir gehen zwar des schönen, feinen Sandes wegen an den Strand. Von oben mögen wir ihn jedoch nicht, insbesondere beim Essen. Im Zweifelsfall kann man sein Handtuch auch zu Hause oder am Strandausgang ausschütteln. Deshalb zählt bei diesem Thema auch keine Ausrede und es darf zurecht gemeckert werden, wenn mal wieder jemand sein Handtuch direkt neben einem ausschüttelt.

Spanner

Zum Glück operieren Spanner meist verdeckt. Erwischt man doch mal einen, ist der Ärger aber umso größer. Und das natürlich zurecht! Möglicherweise liegt das auch daran, dass Frauen hier fast immer in der Opferrolle sind. Kein Wunder, dass ein Mann mit dunkler Sonnenbrille, der stundenlang in Richtung der weiblichen Strandschönheiten schaut, unter Generalverdacht steht. Also bitte: Mal kurz gucken ist erlaubt; alles weitere ist spannern und gehört nicht an den Strand!

Fotografieren

Gegen das Fotografieren von leicht bekleideten oder gar nackten Badegästen ist das bloße Anstarren noch vergleichsweise harmlos. Trotzdem kann man sich kaum dagegen wehren. Wer weiß schon, ob da nicht jemand hinter seinem Smartphone mal unfauffällig auf den Auslöser drückt. Leider ist auch das Gesetz in dieser Hinsicht keine Hilfe. Lediglich wer Minderjährige fotografiert, um die Aufnahme zu verkaufen, muss mit einer Strafe rechnen (§ 201a StGB).

Müll

Egal, an welchem Ort – Müll zu hinterlassen ist immer ein rücksichtsloses Verhalten auf Kosten anderer. Statt die Bananenschale selbst in den Müll zu schmeißen, muss es jemand anderes machen. Dass das den Ärger anderer Strandbesucher herauf beschwört ist nur verständlich.

Musik

An Stränden, die sich (in)offiziell als Partystrand etabliert haben, sollte Musik geduldet werden. Keiner will sich hier erholen, und wenn doch, ist er am falschen Strand gelandet. Anderswo kann man aber davon ausgehen, dass es kaum einen Strandbesucher gibt, der den eigenen Musikgeschmack teilt. Mit lauter Musik kann man also niemandem eine Freude machen.

Zigarettenqualm

Überflüssig zu erwähnen, dass sich in puncto Rauchen die Zeiten in den letzten Jahren geändert haben. Zumindest in Europa wird der Nichtraucherschutz inzwischen sehr ernst genommen. Die Verbote gelten aber i.d.R. nicht am Strand. Deshalb gibt es hier für ein harmonisches Miteinander nur eine Möglichkeit: Raucher müssen Rücksicht nehmen. Eine gute Lösung für das Problem wird z.B. am Nordstrand von Göhren auf Rügen praktiziert. Hier gibt es ausgewiesene Nichtraucher-Strandabschnitte.

Glückliche Paare

Trotz 30 Grad und Sonnenschein sieht man am Strand immer wieder Paare, die sich eng umschlungen aneinander kuscheln. Dieser Anblick ruft bei allen Singles und Paaren mit eingerostetem Liebesleben unweigerlich Neid hervor und wird deshalb todsicher zu einem unerhörten Ärgernis. So bedauerlich es auch ist, dass die natürlichste Sache der Welt hier wegen den Problemen anderer zensiert werden soll, so sollte man sich doch ein wenig zurück halten. Zwar werden nackte Haut am Strand und Umarmungen im allgemeinen weitestgehend geduldet, aber die Kombination aus beidem ist für die meisten Zuschauer entschieden zu heiß. Und Deutschland ist in dieser Hinsicht noch eher liberal. Aus Rücksicht zu ihren Gastgebern, sollten deutsche Pärchen in arabischen Urlaubsländern ihre Hormone am besten gar nicht erst mit an den Strand nehmen.

Unkontrollierte Bälle

Wer sein Handtuch in der Nähe von Beachvolleyball-Spielern und Co. niederlässt, sollte weder Zeitung lesen, noch schlafen oder essen. Zu hoch ist die Gefahr, durch einen querschießenden Ball unsanft aus dem Schlaf gerissen zu werden, einen Durchschuss in der Tageszeitung oder einen sandigen Fußball auf dem Butterbrot zu haben. Spaß und Entspannung passen nun mal nicht zu einander. Und so sollte man beim Strandsport 2 Regeln beachten:

Einmal ist keinmal!
„Entschuldigung, kommt nicht wieder vor!“ kann man bei wiederholtem Beschuss nicht mehr sagen.
Junge Leute sind toleranter!
Das liegt vor allem daran, dass die älteren Strandbesucher meist nach Ruhe und Entspannung suchen. Hier also bitte kein Beachvolleyball-Feld aufbauen.

Taktlos nackt

Was hierzulande schon so manchem Wessi zu aufdringlich ist, gilt in anderen Kulturkreisen als absolutes Tabu. Wir sollten Nacktheit also etwas an die Sitten unserer Gastgeber anpassen. Dies betrifft nicht nur die Frage, ob FKK ok ist. Auch das Umziehen am Strand oder das Sonnen oben ohne kann bereits unangemessen sein. Außerdem gilt an so ziemlich allen Stränden der Welt: Beim Joggen am Strand kann eine Badehose bzw. ein Bikini nicht schaden.

Lesetipp: FKK in christlich geprägten Ländern

Im Wasser Wasser lassen

Im Gegensatz zur Badeanstalt dürfte nach dem Schwimmen im Meer nicht das kleinste Molekül fremden Urins an einem haften. Wenn aber jemand beim Schwimmen eine Spur von Blasen im Wasser hinterlässt, will man da trotzdem nicht so gerne durch schwimmen. In diesem Fall hilft nur umdrehen und schnell an etwas anderes denken. Und der Appell an alle, die mal wieder für kleine Tigerenten ins Wasser müssen: Bitte möglichst weit raus schwimmen, weil dort weniger Badegäste sind und das Wasser schneller ausgetauscht wird.

Wespen

Bei Insekten mit Stachel hört die Tierliebe meist auf. Die aufdringlichen, kleinen Viecher mit Vorliebe für unsere Picknickvorräte sind eines der größten Ärgernisse am Badestrand. Wer ein paar Kompromisse eingeht, kann jedoch gut mit ihnen zurecht kommen. Dass man süße Speisen und Getränke zu Hause lassen sollte, ist längst Allgemeinwissen; man kann aber auch versuchen, die Touristrände zu meiden und sein Handtuch in weitestgehend naturbelassenen Badebuchten niederlassen. Es sind nämlich auch die anderen Badegäste, die mit ihrer Cola Wespen anlocken, nicht zu vergessen Imbissbuden, Eisverkäufer, Mülleimer oder eine nahe gelegene Strandpromenade mit diversen Gastronomien.

Quallenschlacht

Der Reiz, sich gegenseitig mit Quallen zu beschmeißen, bleibt wohl den meisten verborgen. Aber Kinder sind ja manchmal unergründlich. Wer beim Baden mit einer lebenden Qualle beschossen wird, braucht schon die Geduld eines Dalai Lama, um nicht die Fassung zu verlieren.

Fremden den Rücken eincremen

Die Anmache ist zwar plump, zu einer echten Belästigung dürfte sie aber höchstens bei modelmäßigen Strandschönheiten am Partystrand werden. Also bitte einfach dankend ablehnen und sich geschmeichelt fühlen!

Löcher buddeln

Diese Löcher, die Kinder im feuchten Sand buddeln, um kleine Wasserbassins zu schaffen, scheinen dem Ein oder Anderen übel aufzustoßen. Denn in etlichen Badeordnungen deutscher Strände werden Löcher ab einem gewissen Durchmesser ausdrücklich verboten. …deutsche Ordnungsliebe oder ob da tatsächlich schon mal jemand rein gefallen ist?