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Der Strand von Venedig

Rettungsschwimmer am Strand von Venedig
tangi_bertin CC BY 2.0

Man darf den Strand von Venedig nicht mit klassischen Reisezielen für einen reinen Strandurlaub vergleichen. Wer eine Woche Erholung am Strand sucht, sollte sich tunlichst von großen Städten fernhalten. Das ist deutlich entspannter und schont die Urlaubskasse. Aber im Lichte dessen, was man von Stadtstränden internationaler Tourihotspots erwarten kann, bekommt der Strand von Venedig volle Punktzahl! Wer hätte das gedacht? Die Leute sind freundlich, die Preise erträglich (für Venedig), es ist ausgesprochen grün bewachsen und auch der Menschenandrang am Strand ist geringer als erwartet. Und das bei bester Erreichbarkeit, einzigartiger Lage am Eingang des Mittelmeeres und vor der Kulisse einer der schönsten Städte der Welt.

Lage der Strände

In Venedig kommt man nicht einfach zu Fuß an den Strand. Genauso wenig kann man die Strände (die offiziell zur Stadt Venedig zählen) mit dem Auto anfahren. Es sei denn, man nutzt die Autofähre. Es ist nämlich so, dass alle Strände Venedigs auf den vorgelagerten Inseln Lido di Venezia und Pellestrina liegen, die die Lagune von der Adria trennen. Innerhalb der Lagune wird zwar auch gelegentlich gebadet; von richtigen Stränden kann man hier aber nicht sprechen. Und auch in Anbetracht der Wasserqualität sollte man sich lieber eine Badestelle am Meer suchen.

Übersichtskarte

Erreichen kann man die Strände trotz ihrer Lage völlig problemlos. Denn bei den Venezianern bedeutet öffentlicher Nahverkehr ohnehin Boot fahren und das funktioniert hier einfach perfekt. Am Lido di Venezia ist man mit den Vaporetti (Wasserbussen) innerhalb von ca. 15 Minuten.

Insel Lido di Venezia

Zu Zeiten, als man noch mit dem Auto in den Sommerurlaub gefahren ist, war Venedig für viele Europäer das nächstgelegene Ziel am Mittelmeer. Und man konnte den Strandurlaub gleich noch mit zahlreichen kulturellen Highlights verbinden. Diese Vorteile haben dem Lido di Venezia in den 50er Jahren zum Status eines glorreichen Nobelbadeortes verholfen.

Auch heute noch ist es hier im Sommer voll wie an der Playa de Palma. Von der einstigen Klasse zeugen aber nur noch Relikte wie das Hotel Excelsior und das längst stillgelegte Hotel des Bains. Trotzdem ist die Insel für viele ein willkommener Kontrast zur hektischen Altstadt Venedigs. Vor allem Venezianer verbringen ihre Freizeit am Lido. Es ist einfach entspannter und die Menschen scheinen freundlicher.

Lido di Venezia ist übrigens auch die entspanntere und vor allem günstigere Möglichkeit zum Übernachten. Wer ohnehin ans Meer will, hat hier einen guten Ausgangspunkt für Aktivitäten in der Altstadt und der restlichen Lagune.

Insel Pellestrina

Auch wenn, oder gerade weil sich der größte Teil des Strandlebens am Lido abspielt, sollte auch die südliche Nachbarinsel Pellestrina erwähnt werden. Internationale Touristen kommen in der Regel der historischen Altstadt wegen nach Venedig. Venezianer wiederum verbringen ihre Freizeit gerne in der Cabana am Lido. Und so kommt es, dass Pellestrina bis heute weitestgehend unbeachtet geblieben ist. Dabei hat die Insel auf ihrer Adria-Seite knapp 10 km Strand. Touristische Angebote gibt es hier nicht. Man sollte aber den Strandbesuch unbedingt mit einem ausgiebigen Spaziergang über die Insel verbinden. Diese ursprüngliche Atmosphäre einer mediterranen Fischerinsel ist inzwischen eine Seltenheit.

Bewirtschafteter Strand

Unter „bewirtschaftetem“ oder „kostenpflichtigem“ Strand ist in Venedig nicht unbedingt ein Freizeit-Resort mit Pool und allen erdenklichen Angeboten zu verstehen, wie beispielsweise bei den Bagni in Viareggio. Hier handelt es sich manchmal bloß um eine Strandbar, die nebenbei ein paar Liegen mit Sonnenschirm vermietet. Oft gibt es aber auch Cabanas (s.u.), Umkleidekabinen, Bootsverleih, u.v.m.

In Venedig findet man bewirtschaftete Strände ausschließlich an der Adria-Seite des Lido (siehe Karte). Und hier wiederum im nördlichen Teil der Insel (mit Ausnahme des Bagni Alberoni).

Eine Besonderheit am Strand von Venedig sind die Cabanas. Das sind kleine Hütten, die sauber aufgereiht am Strand stehen. Teilweise kann man sie tageweise mieten (ab ca. 60 Euro), teilweise erst ab einer Woche oder länger. In erster Reihe, d.h. mit Meerblick kann die Cabana auch weit über 100 Euro pro Tag kosten. Wer sich diesen Luxus leistet, verbringt meist den ganzen Tag lesend am Strand. Vor allem aber werden die Cabanas von Venezianern genutzt, für die dies auch ein Ort ist, um alte Bekannte zu treffen oder den Familienurlaub zu verleben.

Freier Strand

Die Trennung zwischen freien und kostenpflichtigen Strandabschnitten ist in Venedig nicht so streng wie an manchen anderen Stränden Norditaliens. D.h. man braucht nicht kilometerweit am Wasser entlang zu gehen, um einen nicht eingezäunten Strandabschnitt zu finden, an dem man sein Handtuch ausbreiten kann. Man kann sich einfach zwischen den Bagni oder davor, d.h. in erster Reihe am Wasser, niederlassen.

An den ausgewiesenen Spiaggia Libera hingegen hat man wirklich Platz und vor allem auch etwas Ruhe. Sie sind dafür etwas ungepflegter, es gibt keine Rettungsschwimmer und auch sonst keine touristischen Annehmlichkeiten.

Man findet die freien Strandabschnitte…

am Lido

  • an der Adriaküste ganz im Norden. Mit etwas Glück kommt hinter der Mole mal ein Kreuzfahrtriese vorbeigeschippert.
  • direkt am östl. Ende der Granviale Santa Maria Elisabetta (sehr voll)
  • etwa 700 m nördlich der Granviale Santa Maria Elisabetta
  • fast überall auf der südlichen Hälfte der Insel (Ostküste). Nur um Malamocco herum gibt es kaum Strand. Mit Abstand der beste freie Strand am Lido ist der Strand von Alberoni (weitläufig, Dünen, einsam).

auf Pellestrina

  • …an der gesamten Ostseite der Insel, mit Ausnahme des gut 1 km langen Teils, auf dem der Nord- und der Südteil Pellestrinas nur durch die Murazzi (Schutzmauer der Lagune von Venedig) verbunden sind. Im südlichen Teil liegt der besonders schöne Strand Ca‘ Roman (Tipp!).

 

Qualität des Wassers

Die nördliche Adria ist die am stärksten durch Eutrophierung betroffene Region des Mittelmeers. Viele Flussmündungen, sowie die isolierte Lage begünstigen die Anreicherung von Nährstoffen aus der Landwirtschaft im Meer. Das sorgt für Algenwachstum und trübes Wasser. Baden ist in Venedig grundsätzlich kein Problem. Von sauberem Wasser sollte man aber nicht sprechen.

Qualität der Strände

Die venezianische Adriaküste ist weitestgehend feinsandig. Man kommt überall problemlos ins Wasser. Kleiner Wermutstropfen: Es sind besonders viele Stückchen kleiner, zerbrochener Muschelschalen im Sand. Im Wasser bleibt es lange seicht und das Baden ist (bei gutem Wetter) absolut ungefährlich. Durch die zahlreichen Wellenbrecher wird die Brandung spürbar abgeschwächt.

Alternativen zum Strand von Venedig

Wer mehr als nur ein Wochenende am Strand verbringen möchte, findet direkt nördlich und südlich von Venedig zahlreiche weitere Badeorte. Die nördlich gelegenen Gemeinden Cavallino und Lido di Jesolo bieten ausgedehnten Strand (knapp 30 km) und vor allem Bagni ohne Ende. Das historische Stadtzentrum Venedigs ist für einen Tagesausflug sehr gut erreichbar.

Leseempfehlung für den Venedig Besuch: Venedig-Insider-Tipps von BABISTA

Das im Süden der Lagune gelegene Chioggia ist noch etwas charmanter und bietet 5 km (bewirtschafteten) Sandstrand. Auch von hier aus ist eine Tagesausflug nach Venedig kein Problem. Am Strand sollte man jedoch aufpassen, sich nicht im falschen Bagno einzuquartieren…

…Linktipp für Chioggia: Wo Faschisten baden gehen

Gut zu wissen

  • Lido di Venezia und Pellestrina sind günstiger als das historische Zentrum Venedigs (außer man geht ins Excelsior).
  • Auf den Inseln dürfen Autos fahren. Sie sind allerdings auch ideal zum Fahrrad fahren geeignet.
  • Wenn man den Abend im Norden des Lido verbringt, kann man die Sonne über der Altstadt von Venedig untergehen sehen.