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Sardininens Costa Smeralda – Die VIP-Loge am Tyrrhenischen Meer

Was passiert, wenn eine Küstenregion jahrzehntelang exklusiv den Superreichen als Urlaubsziel vorbehalten ist? Falsch! Wer jetzt an Golfplätze, gigantische Luxushotels oder künstliche Inseln in Form einer Weltkugel denkt, der irrt. Einen völlig anderen Weg ist man auf Sardinien gegangen. Die Costa Smeralda (Smaragdküste) im Nordosten der Insel ist Vorreiter in Sachen Bescheidenheit, wenn es um touristische Luxusbauprojekte geht. Umso erstaunlicher, dass alles mit einem, zur damaligen Zeit einzigartigen Megaprojekt angefangen hat.

Aus Weideland wird die Smaragdküste

Karim Aga Khan, ein inzwischen milliardenschwerer Investor, kaufte gemeinsam mit einigen anderen Investoren einen beachtlichen Streifen Küste auf Sardinien (5000 Hektar). Zu jener Zeit, in den 60ern war das Land noch für kleines Geld zu haben (so sagt man). Sein Plan: Das dünn besiedelte und völlig verarmte Weideland zu einem Urlaubsparadies für Reiche zu machen. Die Wahl des neuen Namens „Smaragdküste“ war vor diesem Hintergrund also mehr als passend. Und wer einmal dort gewesen ist und gesehen hat, was die Gegend an landschaftlichen Reizen zu bieten hat, der kann sich vorstellen, dass Aga Khans Idee gar nicht so abwegig war. Zum Glück für die Costa Smeralda sollte das Großprojekt sich von der gängigen Praxis in der Tourismusindustrie komplett unterscheiden. D.h. die Bebauung der Küste musste einigen klaren Regeln folgen:

  • Käufer von Grundstücken werden automatisch Mitglied der Eigentümergemeinschaft
  • Grundstücke werden erst ab einer Größe von 1000 m2 verkauft
  • Kein Gebäude soll höher als 3 Stockwerke sein
  • Die Gebäude sollen sich architektonisch am Stil der lokalen Bauernhäuser orientieren

Der Plan ging voll auf. Bis heute ist die Costa Smeralda Feriendomizil reicher Europäer, aber auch Russen und Amerikaner. Und während anderswo Touristenorte nach dem Bettenburgen-Modell geschaffen worden und ebenso schnell wieder verfallen sind, bleibt die Costa Smeralda weiter attraktiv. Erst seit ein paar Jahren setzt sich der Trend „nachhaltiger Luxustourismus“ auch in anderen Ecken der Welt durch (mehr dazu). Wobei man „Luxustourismus“ und „nachhaltig“ eigentlich nicht in einem Satz nennen dürfte. Das Thema wird aber sicher nochmal in einem späteren Artikel behandelt werden. Zumindest war die Praxis, wie sie an der Costa Smeralda verfolgt wurde, nachhaltig, wenn es um die Erhaltung des Landschaftsbildes geht. Ein Vorteil, den sich jetzt sicher viele Gemeinden in Spanien oder Italien wünschen.

Soviel zur Geschichte der Costa Smeralda. Wer einmal hinfahren möchte, sollte ja zumindest schonmal von Aga Khans sagenumwobenen Tourismusprojekt gehört haben. Doch wie sieht es heute dort aus? Was muss man unbedingt auf einer Tour durch die Region gesehen haben?

Die Costa Smeralda heute

Ein Besuch an der Costa Smeralda bedeutet nicht, dass man zur High Society gehören muss. Auch nicht, dass man kommt, um eben diese zu bestaunen. Die Gegend ist auch eine der landschaftlich schönsten Ecken Sardiniens. Ein Großteil der Küste der Insel besteht aus langgezogenen Stränden und ist vielleicht wegen dieser Gradlinigkeit auch etwas langweilig. Ausnahme: Die Costa del Sud im Südwesten und die komplette Nordküste der Insel zwischen Olbia und Santa Teresa di Gallura, einschließlich der Costa Smeralda. Hier fährt man entlang der zerklüfteten Küste von Bucht zu Bucht – im Hintergrund immer die Kulisse von grünen Berghängen – und sieht stets etwas Neues. Und das gilt genauso Unterwasser. Zwischen kleinen Inseln, Meerengen und Felsen ist der Artenreichtum i.d.R. besonders hoch. Die, vor der offenen Brandung geschützten Buchten sind somit ein ideales Revier für Schnorchler.

Kurzum, die Costa Smeralda ist uneingeschränkt empfehlenswert. Zum einen ist sie die wahrscheinlich gepflegteste Gegend der ganzen Insel, zum anderen ist sie durch den ca 15 km entfernten Flughafen in Olbia sehr schnell von Deutschland aus zu erreichen. Und man kann es nicht oft genug sagen: die landschaftliche Schönheit ist kaum zu übertreffen.

Sehenswürdigkeiten

Viel Kultur sollte man nicht erwarten. Das liegt vor allem daran, dass die Costa Smeralda bis in die 60er Jahre nur ödes Weideland war. Es gibt in der Region allerdings, wie überall auf Sardinien, einige Nuraghen (= frühgeschichtliche Steinrundbauten Sardiniens) zu besichtigen. Die Nuraghe Albucciu beispielsweise liegt an der SS125, von der Küste kommend, kurz vor Arzachena links (Bilder). Ansonsten spielt sich an der Costa Smeralda das Leben jedoch vor allem am Wasser ab.

Porto Cervo

Porto Cervo (Costa Smeralda)Ok, ein Luxushotel wie das Cala di Volpe wird wohl kaum ein Strände Guide – Leser von innen zu sehen bekommen. Aber ohne Geld sollte man auch nicht unbedingt an die Costa Smeralda fahren. Ein paar bezahlbare Hotels der Luxusklasse findet man auf ewtc.de (Linktipp). Und wenn man schon nicht Suite an Suite mit Flavio Briatore und Co nächtigt, sollte man sich den Jetset trotzdem nicht ganz entgehen lassen. Dazu fährt man am besten nach Porto Cervo und flaniert durch den Yachthafen. Neben nahezu allen Weltstars aus Film und Fernsehen, die hier schon ein und aus gegangen sind, konnte man 2012 auch gleich mal die komplette deutsche Fußballnationalmannschaft in Porto Cervo antreffen. Zur Vorbereitung auf die EM wollte man sich im schicken Hotel Romazzino erholen.

Punta della Volpe

Hier lässt sich ein Strandbesuch mit dem Bummel durch den Yachthafen verbinden. Vom Punta della Volpe kann man Richtung Nordwesten schön die Costa Smeralda überblicken. Und wenn man schon mal da ist, schaut man am besten gleich im ca 1,5 km entfernten Porto Rotondo vorbei. Der 2. nennenswerten Adresse für Luxus, Megayachten und VIPs an der Costa Smeralda.

Spiaggia Principe

Spiaggia Principe (Costa Smeralda)Ein echt schöner Strand liegt ca 10 km südlich von Porto Cervo, der Spiaggia Principe. Wahrscheinlich weil die Italiener das genauso sehen,  ist er während der dortigen Sommerferien ziemlich überlaufen (Mitte Juni bis Mitte September). Aber die Kulisse tröstet über die zahlreichen Handtuchnachbarn locker hinweg. Die Bucht: von Granitfelsen eingeschlossen und vor der Brandung geschützt, wie es für Nordsardinien typisch ist. Der Strand: feinsandig und gepflegt. Das Wasser: Smaragdfarben. Und vor der Küste blickt man auf einige vorgelagerte Inseln. Außerdem tuckern in regelmäßigen Abständen die Supermegaluxusyachten der VIPs vorbei. Und wenn mal eine besonders große Yacht vorbeikommt kann man beobachten, wie 90% der Badegäste gleichzeitig aufspringt, um ein Foto zu machen 🙂

Zu finden ist der Spiaggia Principe leider nicht so einfach. Etwas südlich von Romazzino muss man sich Richtung Küste halten. Das letzte Stück geht es nur noch zu Fuß weiter. Am besten man folgt anderen Strandbesuchern, die man dort auch mit größter Sicherheit finden wird. Oder man fragt sich durch.

Klima / Beste Reisezeit

Die beste Reisezeit für einen Besuch an der Costa Smeralda hängt sicherlich von den geplanten Aktivitäten ab. Strandbesucher können von Mai bis September mit gutem Badewetter rechnen. Wobei im Mai die Wassertemperatur von ca. 17°C für manchen noch etwas an Überwindung erfordert. Außerdem ist es ratsam, die italienischen Sommerferien zu meiden. Allerdings gehen diese ganze 2 Monate – von Mitte Juni bis Mitte September. Aktivurlauber sollten sich die Monate April, Mai und Oktober aussuchen. Hier sind die Temperaturen angenehm mild, die Preise günstiger als während der Hochsaison, und man entgeht dem Ansturm der Badeurlauber.

MonatTemperatur (°C)SonnenstundenNiederschlag
(mm)
Regentage
TagNachtWasser
 Januar14,65,3144,1478
 Februar15,25,9124,9737
 März16,56,3146,0637
 April18,48,2157,1565
 Mai22,711,3179,0374
 Juni27,615,42010,4181
 Juli30,518,52311,660
 August30,818,52410,2281
 September27,015,9238,3413
 Oktober22,211,8216,3586
 November17,88,0184,6569
 Dezember15,46,1153,8989